Unsere Insel ist La Réunion in der Tat

Von , 4. März 2010 04:40

Nachdem Rüdiger schon seine Zusammenfassung gepostet hat, soll meine nicht fehlen. Ich stimme ihm uneingeschränkt zu. Bei all meinen Reisen in der Vergangenheit habe ich nicht so eine Vielfalt erlebt wie auf dieser kleinen Insel im indischen Ozean. Man kann sagen, die Welt auf 2500 qkm. Nur der Schnee fehlt meistens auf dem Piton de Neige. Ansonsten könnte man wahrscheinlich auch noch Skifahren. Normalerweise komme ich zurück und könnte ein paar Freunden empfehlen, fahrt dahin, anderen würde ich wiederum abraten. Réunion kann ich allen empfehlen. Egal ob Extremsportler oder fusskranker Sofapotatoe. Da ich niemanden kenne, der 5* Service zum ALDI-Preis erwartet und für drei Wochen Luxushotel plus Flug nicht mehr als 500 Euro ausgeben will, kann ich diese Leute vernachlässigen. Für die ist Réunion nichts. Genausowenig wie für Leute, die deutsche Bratwurst und Schnitzel erwarten. Aber auch die kenne ich nicht. Ansonsten ist diese Insel für jeden zu empfehlen. Und wenn ihr jemals nach Australien wollt, dann kostet euch ein Ticket Paris – Sydney – Paris mit Air Austral gerade mal 1500 Euro mit dem Vorteil, dass ihr jeweils nur 10 Stunden fliegt, einen Stoppover auf Réunion machen könnt und das ganze absolut stressfrei ist. Der Anschlussflug nach Deutschland, Schweiz oder Österreich ist mit einem Billigflieger für lau zu bekommen. Das ist mein erster Geheimtipp Icon Wink in Unsere Insel ist La Réunion in der Tat

Ich wurde vor kurzem in einem anderen Blog gefragt, welche Kosten denn für einen 2-wöchigen Urlaub auf der Insel anfallen würden. Diese Frage kann ich nicht beantworten. Wie in jedem anderen Land kann man billig und teuer Urlaub machen. Wie in vielen Ländern üblich, werden Zimmerpreise verlangt. Eine zweite oder dritte oder vierte Person kostet nur unwesentlich mehr. Manchmal kostet eine Übernachtung in einem einfachen Hotel 30 Euro, als Einzelreisender zahlt man 28 Euro. Wie überall auf der Welt kann man viel oder wenig Geld ausgeben und damit zufrieden oder unzufrieden sein. Wir haben nur einmal eine Unterkunft gehabt, die uns irgendwie nicht so zusagte. Das war nur für eine Nacht, lag strategisch günstig und war nach dem Luxus und den herzlichsten Gastgebern der Welt in der Villa Belle einfach ein Kulturschock. Trotzdem gibt es nichts zu bemängeln.

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La Réunion – unsere Insel

Von , 3. März 2010 10:35

La Réunion ist keine Badeinsel, die große Betonburgen zur Bewältigung von riesigen Touristenströmen bietet und das hat diese Insel gerettet vor den üblichen Bausünden, hemmungsloser Umweltzerstörung und dem Fluch von den großen Reiseanbietern katalogisiert zu werden. Was ein Glück, denn die Schönheit und Vielseitigkeit muss man als Besucher nur mit 300.000 anderen Touristen im Jahr und den 800.000 Inselbewohnern teilen. 1750 km² der 2512 km² wurden 2007 unter Naturschutz gestellt und zu einem Nationalpark erklärt, der in seinem Abwechslungsreichtum unübertroffen ist.

Urwälder und Lavawüsten, schroffe Gebirgslandschaften und sanfte Weidegebiete, palmenbesäumte Korallenstrände und Steilküsten aus mächtigen Basalttürmen, Wasserfälle deren kühles Nass sich in natürlichen Süßwasserbecken sammelt und weite Zuckerrohrfelder, das alles findet sich auf engstem Raum. Daneben ein kulturelles Gemisch dessen Wurzeln aus dem Mutterland Frankreich, Indien, Afrika und China stammen, dessen Angehörige aus ihrer langen gemeinsamen Geschichte auf der Insel spannungsfrei zusammenleben und dabei in gegenseitiger Toleranz ihre jeweiligen Traditionen pflegen. Kulinarisch ist La Réunion ein Erlebnis: in drei Wochen ist es uns ein einziges Mal gelungen schlecht zu Essen und dies auch nur, weil wir uns zu müde und bequem für die besseren Alternativen für eine Pizza entschieden hatten. Sogar der Kaffee zum Frühstück -ein andernorts immerwährendes Risiko- war bis auf einen einmaligen Ausrutscher von bestem Aroma und ein Genuß.
Ja, dort spricht man französich und das unsere war leider reichlich mangelhaft. Dank der guten Empfehlungen von Brigitte Monat hatten wir aber in allen Unterkünften auch englischsprachige Verständigungsmöglichkeiten, sogar der ein oder andere deutsche Ansprechpartner ist -wenn auch selten- zu finden.
Und ja, diese Insel ist nichts für Langschläfer, denn die schönsten Panoramen der Bergwelt verlieren sich gerne am späten Vormittag im Nebel. Aber noch nie fiel uns das früh Aufstehen so leicht wie in diesem Urlaub, denn was immer es zu sehen gibt -und sei es der nächtliche Sternenhimmel- hält einen nicht im Bett.

Diese Insel ist unsere Insel und deshalb planen wir schon heute unsere Wiederkehr für Oktober diesen Jahres zum Whalewatching und Schnorcheln, Canyoning, der Vulkanbesteigung, dem kreolischen Kochkurs und den vielen anderen lohnenswerten Aktivitäten, für die drei Wochen einfach noch viel zu wenig waren.

Ja, wir haben uns verliebt in die Île de la Réunion.

Die Abreise

Von , 3. März 2010 00:46

Leider geht auch der schönste Urlaub einmal zu Ende und unserer endete am Freitag, den 26.02. Unser Abschied aus dem La Cle de Champs zogen wir in die Länge, ein kleiner Kaffee geht immer noch, aber gegen halb 12 brachen wir dann doch auf mit der trüben Aussicht, die nächste Nacht in einer Air France Maschine zu verbringen. Auch der Himmel war betrübt, der letzte Tag auf Réunion war gleichzeitig der einzige Tag an dem das Wetter schlecht war – bedeckt, überall auf der Insel und drückend heiss. Unser erster Weg führte uns nach St. Paul und den wöchentlichen Markt. Neben allerlei Waren aus Indien, China und Madagaskar, die man auch auf jedem Wochenmarkt überall auf der Welt findet, T-Shirts mit Aufdruck, bestickten Deckchen und anderen Firlefanz gibt es aber auch Gewürze, Gewürze und nochmals Gewürze, Vanille und Marmeladen, Obst und Gemüse und natürlich – wie könnte es anders sein – Stände mit reichhaltigem Essensangebot. Essen war angesichts der Hitze und des reichhaltigen Frühstücks nicht so unser Ding also beschränkten wir uns auf den Kauf von Vanille in grossen Bündeln und reichlich Gewürze inkl. einer Würzsosse, von der die Marktfrau meinte, sie sei very hot.  Ich kann das bestätigen, sie ist very, very hot.

Das Wetter war aber so trübe wie unsere Stimmung und irgendwie war es uns zu heiss, also zurück zum Auto und wir wählten den längsten Weg zurück in die Hauptstadt St. Dennis – die Route de Montagne. Irgendwann landeten wir bei einem Schild, der zu einem Park Colorado führte, ein Picknick- und Ausflugsparadies, gesponsert von der EU. Dort pausierten wir eine Weile, bevor wir uns in das Verkehrsgetümmel in St. Dennis stürzten. Nachdem fast jede Stadt auf Réunion mit Einbahnstrassen gesegnet ist, erlebten wir die Stadt aus dem Auto, standen im Stau und irgendwann fanden wir den Weg Richtung Flughafen. Unser Flieger ging um 22.00 Uhr, wir waren um 17.00 Uhr am Airport. Was tun? Es war so heiss, es war so schwül, die Aussicht auf Air France schlug auf die Stimmung, die Winterjacken im Kofferraum bei gefühlten 40 Grad machten uns auch nicht an. Wir beschlossen, das Auto erst um 20.00 Uhr abzugeben, die Winterklamotten im Kofferraum zu lassen und in weiser Voraussicht auf das zu erwartende Catering bei Air France uns den Bauch nochmal richtig vollzuschlagen. Das Flughafenrestaurant öffnete aber erst um 18.30 Uhr, die Bar hatte aber auf. So kamen wir noch in den Genuss einer Live-Band. Wie ihr es schon ahnt, das Abendessen war hervorragend. Wir bestellten Carry Poisson, bekamen natürlich eine Portion, die für eine 8-köpfige Familie ausreichen würde und bezahlten pro Essen gerade mal 6,50 Euro. Das Bier schlug dann doch mit 2,50 pro Flasche wesentlich heftiger zu.

Ich erspare euch die Details des Air-France-Essens, aber der undefinierbare Kartoffelbrei mit grünen Einsprenkelungen, der auf dem Lachbrei thronte schmeckte noch bescheidener als er aussah. Da wir aber zufrieden und satt waren, fiel es uns leicht, sowohl das Essen wie den undefinierbaren Rotwein unberührt zu lassen bis auf eine winzige Verkostung der kulinarischen Katastrophe. Die Sitze waren die gleichen wie beim Hinflug, der Service aber insgesamt ein wenig besser, weil freundlicher. Und ich durfte die ganze Nacht mein Fenster “offen” lassen und musste nicht die “Jalousie” schliessen wie beim Hinflug. Irgendwie überlebten wir beide diese Nacht, das Frühstück wurde sogar 1,5 Stunden vor der Landung serviert und nicht 25 Minuten vor der Landung wie beim Hinflug. In Orly angekommen sahen wir einen spektakulären Sonnenaufgang über dem Flughafen, freuten uns, dass wir in 2 Stunden zuhause sein würden und – Pustekuchen. Nachdem ich bei der Sicherheitskontrolle auseinander genommen wurde, weil meine Wanderschuhe piepsten, ich nach rund 10 Minuten endlich durch den Sicherheitscheck war, die Anzeigetafel ” IN TIME” für unseren Flug ausgab und wir aber kein Gate hatten, fragten wir den freundlichen Mitarbeiter am Air France Schalter. Der eröffnete uns, dass am Vortag das Reinigungspersonal gestreikt hatte und alle Flüge Verspätung haben. Unser Flug voraussichtlich eine Stunde.

Irgendwann ging es dann doch Richtung Heimat, nach 45 Minuten landeten wir und wurden von frühlingshaften Temperaturen und strahlendem Sonnenschein empfangen. Das tat uns beiden gut, denn die Angst, bei Schneesturm und Minusgraden zurückzukehren war bei uns durchaus ausgeprägt.

Ich habe rund 1500 Fotos geschossen, die ich aber erstmal auswerten und sortieren muss. Es wird also noch eine grosse Bildgalerie mit den besten Fotos geben.

Die letzten drei Tage im Paradies

Von , 2. März 2010 23:22

Wir brachen am 23. morgens für unsere Verhältnisse recht spät auf, da das nächtliche Weingelage doch seinen Tribut forderte. Spät bedeutete für uns auf Réunion gegen 10.30 Uhr. Auf unserem Weg aus dem Cirque kamen wir an einem gewaltigen Erdrutsch vorbei und wir fragen uns immer noch, wie zur Hölle kam der Bagger auf den Abhang. Nett auch, dass es an den Baustellen Ampeln gibt – menschliche Ampeln. Funktioniert besser als bei uns, denn die reagieren mit ihrem rot-grün Schild auf den Verkehr.

An der Küste angekommen suchten wir die Cascade Niagara und verfuhren uns promt, weil wir auf der falschen Flussseite fuhren. Was aber auf Réunion immer ein Erlebnis ist, jede Strasse, sei sie noch so unbedeutend, führt irgendwo hin Icon Wink in Die letzten drei Tage im Paradies und man bekommt immer neue Eindrücke. Irgendwann fanden wir dann doch die richtige Stelle (wobei wir nicht die richtige Cascade fanden, aber da es so viele gibt, spielt es keine Rolle). Rüdiger nahm sein erfrischendes Bad und ich hielt nur meine Füsse ins kühlende Nass.

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Mein geliebter Nebel

Etwas schwierig gestaltete sich die Suche nach unserer letzten Unterkunft, da wir natürlich anders fuhren als in der Wegbeschreibung beschrieben. Aber der freundliche Tankwart im Ort half uns weiter und so fanden wir das kleine Paradies La Clé des Champs in  Bellemène-les-hauts doch noch. Ach, ich sollte erwähnen, als wir nachmittags gegen 15.00 Uhr ankamen, war es neblig und grau, aber ich kannte das ja schon.  Wir wurden freudig von den zwei Hunden und dem Kater begrüsst, durften den hauseigenen Kaffee probieren (wunderbarer Kaffee aus der eigenen Kaffeeplantage) und das Abendessen war sensationell. Martine, die Hausherrin kocht einfach wunderbar und wir sanken zufrieden, satt und glücklich ins weiche Bett. Da wir auf 700 Meter Höhe waren, der Maido nur 15 km entfernt ist, beschlossen wir, am nächsten Morgen um 7.00 Uhr hochzufahren und doch noch einen Ausblick auf den Mafate zu erhaschen. Das erste Mal sahen wir ausser Nebelschwaden (ihr habt ja das Video gesehen) nichts.

Rüdiger fuhr wie ein Berseker den Berg hoch – Gott sei Dank, denn ich konnte noch vier Photos machen bevor mein Freund, der Nebel meinte: Du siehst heute nichts mehr. Auf dem Rückweg liefen uns auch noch ein paar Kühe über den Weg, was reichlich skuril ist, wenn man gerade auf 2100 Meter  und die Landschaft vor einer Kurve noch Lava mit spärlichem Bewuchs war. Das Frühstück fand wurde dann im Garten serviert – halb im Nebel und halb mit Blick auf die sonnenbeschienene Küste. Da wir unsere letzten Tage geruhsam verbringen wollten und die Gegend an der Küste schon kannten, entschlossen wir uns schnorcheln zu gehen. Durch den Cyclon Gélane war das Meer aber sehr aufgewühlt und man sah zwar viele Fische und Korallen, aber ich würde sagen, unter Wasser herrschte “Nebel”. Der nächste Tag aber brachte das herrlichste Wetter und eine absolut ruhige See und so schnappten wir uns das Unterwassergehäuse der Kamera, Flossen und Schnorchel und stürmten gegen 9.30 Uhr den Strand bei L’Erimitage les Bains. Und was soll ich euch sagen, es war wunderbar. Gegen 12.00 Uhr meinte Rüdiger zu mir: Heute ist es zwar sehr warm, aber sehr angenehm und überhaupt nicht heiss. Kaum hatte er diesen Satz ausgesprochen kam ein heisser Wind aus Richtung Berge, es fühlte sich an, als ob jemanden einen Fön eingeschaltet hatte und es wurde unerträglich heiss. Wir hielten es nicht lange aus und entschlossen uns, in die kühle Höhe zurückzukehren. Pustekuchen, auch dort war es unerträglich heiss. Aber ein spektakulärer Sonnenuntergang von unserer Terrasse entschädigte uns für den Schweiss, den wir an diesem Tag so ganz ohne grosse Anstrengung gelassen hatten. Natürlich war das Abendessen wieder sensationell, wir fielen zufrieden, satt und ein wenig traurig ins Bett, denn der nächste Tag war der Tag der Abreise. Aber Réunion wäre nicht Réunion, wenn es nicht noch etwas zu bieten hätte. Gegen halb vier wurden wir von lautem Grummeln geweckt und es tobte ein hübsches Tropengewitter mit Regen über der Insel. Auch das war uns neu, denn obwohl Regenzeit hatten wir noch kein Gewitter erlebt.

Der Cirque de Salazie, der wunderbare Ausblick und wie es weiterging.

Von , 2. März 2010 21:39

Nun endlich geht es weiter – auch wenn uns leider schon wieder der Alltag wieder eingeholt hat. Aber natürlich wollen wir euch nicht vorenthalten, wie es weiterging.

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Gelbes Blütenmeer

Als wir endlich unser Hotel im Cirque erreicht hatten empfing uns der übliche graue Nebel. Aber mittlerweile war ich schon so geübt, dass ich nicht mehr in Herbstdepression verfiel sondern wusste, am frühen Morgen wird uns wieder ein herrlicher Tag mit einem grandiosen Panorama erwarten. Exakt so war es auch. Die Aussicht beim Frühstück war grandios und wir machten uns sofort auf den Weg, den Cirque de Salazie zu erkunden. Er ist der grösste, mildeste und wärmste Cirque und über und über grün und voller Wasserfälle. Wir fuhren alle Strassen ab um am Schluss auf einer Forststrasse wieder bis auf fast 1900 Meter zu kommen. Alleine die Fahrt auf dieser Strasse zum beliebtesten Einstieg in den Cirque de Mafate ist ein wunderbares Erlebnis. Die ganzen Hänge waren mit gelben Blüten bedeckt, es grünte und mit jeder Kurve wurden die Ausblicke noch spektakulärer. Oben angekommen wanderten wir noch bis zur Passhöhe noch einen anderen Blick in den Cirque de Mafate zu erhaschen. Und wie soll es anders sein, wir hatten genau 3 Minuten, dann zog mein geliebter Nebel auf und die Sicht wurde schlechter.  Nach der Rückkehr zum Parkplatz tranken wir noch einen Kaffee am dortigen Stand und ein einheimischer Montainbiker meinte, man kann fast die Uhr nach dem Nebel stellen. Réunion ist eben keine Insel für Langschläfer.

Auf Réunion gibt es auch im hintersten Bergdorf und im entlegensten Weiler eine Pharmazie, ich habe noch in keinem Land der Welt so eine Apothekendichte gesehen. Aber just in dem Moment in dem wir eine brauchten, fanden wir keine. Mein Körper mag keine Moskitostiche und reagiert mit einer Art Beulenpest darauf. Nicht schlimm aber unangenehm und bei Hitze ziemlich nervend. Wir fuhren also bis zum Ort Salazie und endlich fanden wir die Pharmazie. Bemerkenswert: Die Kortisonsalbe mit 15 g kostete dort nur die Hälfte des deutschen billigsten Preises.

Da wir also schon weiter unten waren, erkundeten wir danach auch noch ein wenig die dortige Umgebung, fanden einen Bergsee, der auch im Allgäu liegen könnte, bestaunten Riesenbambus aus der Nähe und irgendwann wurde es aber so unerträglich heiss, dass wir uns auf den Weg in höhere Gefilde – sprich unser Hotel begaben. Dort lernten wir die einzigen deutschsprachigen Touristen kennen, die uns in drei Wochen begegnet sind – ein Arztehepaar aus Montpellier, die Gattin kam urprünglich aus Karlsruhe und da Rüdiger auch aus Karlsruhe kommt, stellte man fest, man hat gemeinsame Bekannte. Irgendwie war das sehr skuril, denn man rechnet Hell-Bourg auf 800 Meter Höhe nicht mit Gesprächen über den Karlsruher Baggersee. Wie auch immer, wir lehrten noch ein Fläschen Wein zusammen und fielen dann totmüde ins Bett.

Der nächste Morgen war wieder wunderbar, klar, Sonnenschein aber schon sehr warm. Da wir nun zu unserer letzten Station aufbrechen mussten, studierten wir die Karte und kamen auf die Idee, am Riviere Ste Suzanne eine der vielen Cascaden mit “eingebauten” Bassins zum Süsswasserschwimmen auszuprobieren.

Offline

Von , 24. Februar 2010 19:06

Die letzten Tage werden wir jetzt zwangsweise doch offline sein, alles weitere also am Wochenende nach unserer Rueckkehr.

Bis bald!

Von St. Pierre in den Cirque de Salazie

Von , 22. Februar 2010 18:22

Nach dem Abschied aus St. Pierre, der uns beiden doch schwer fiel, machten wir uns auf zu neuen “Ufern”. Als Zwischenübernachtung landeten wir im Plaine des Palmistes, einer Hochebene auf ca. 1000 Meter. Da es in der für eine Nacht gebuchten Unterkunft sehr stickig war, lässt sich über den Aufenthalt dort nur eines sagen: Hätten wir die Türe nicht aufgelassen, wäre nicht um 1/2 vier Uhr morgens der ortsansässige Tanrek (ein Borstenigel) zu Besuch gekommen und hätte unser sehr überschaubares Zimmer nicht eingehend durchschnüffelt. Wir hätten auch nicht den spektakulären Sternenhimmel gesehen, den wir eingehend betrachteten als der Tanrek seines Weges zog. Und vor allem hätten wir uns nicht morgens um kurz nach sieben Uhr und einem schnellen aber überschaubaren Frühstück auf den Weg in den Fôrest Bébour und den Fôrest Bélouve gemacht. So aber erlebten wir einen aufregenden Tag in Wäldern, die ihresgleichen suchen. Mannshohe Baumfarne, mit Flechten bewachsene Tamarinden, blühenden Blumen, summenden Bienen und einem Duft, der betörend war. Der Höhepunkt war ein Aussichtspunkt mit einem sehr beeindruckenden Blick in den Cirque de Salazie, unserem nächsten Etappenziel, das wir aus der Höhe bewundern durften.

Auf dem Rückweg zur Hauptverbindungstrasse durch die Insel machten wir Rast an einem unscheinbaren und wenig vertrauenserweckenden Lokal an der Strasse. Aber es standen Massen von einheimischen Autos davor und vom Essen verstehen die Leute auf Réunion etwas. Wir kehrten also auch ein und sowohl die grösse der Portionen (die hier üblich sind) wie auch der Geschmack des Carrys, von dem wir immer noch nicht wissen ob es Ente oder doch Huhn war, waren überwältigend.

Gut gestärkt machten wir noch Halt in Staint Benoit, einem Ort an der Ostküste und bewunderten das Meer, dass durch den nahenden erst als Cyclon und nun nur noch mehr als tropische Depression eingestufte Sturmtief  Gelane sehr aufgewühlt war. Die Strasse nach Hell Bourg war, wie schon zu erwarten, wieder ein Erlebnis. Allerdings ist der Cirque de Salazie ganz anders und weniger schroff als Cilaos. Hier ist der Cirque der Wasserfälle, der Riesenbambuse, der Bananenstauden, die man in allen Entwicklungsstadien bewundern kann und der alles verschlingenden und überwuchernden Chouchou, die nach Gurke schmeckt. Das Hotel ist wunderschön, die Ausblicke fantastisch und das Essen, wie sollte es anders sein, wunderbar.

Morgen machen wir uns leider schon wieder auf den Weg in unser letztes Hotel auf den Höhen zwischen St. Paul und St. Gilles  und mit jeder Kurve und mit jedem neuen Ausblick wird uns klar: Wir kommen wieder, drei Wochen sind zu kurz für so eine Insel.

Villa Belle und 40 Minuten “Airtime”

Von , 20. Februar 2010 13:45

Ausgehend von unserer 2. längeren Basis, der Villa Belle, einem kleinen Anwesen in Saint Pierre mit einer liebevollen Einrichtung und zwei entzückenden Gastgebern, hatten wir für den 17. ein besonderes Highlight geplant: Einen Helicopter-Rundflug über die Insel. Dieser konnte leider nicht stattfinden, weil die Wetterbedingungen in den drei Talkesseln so schlecht waren, dass der Start abgesagt werden musste.
Wir hatten also einen vollkommen unverplanten Tag vor uns, den wir nutzten, um all die schönen Aussichten nachzuholen, die uns das Wetter schon bei unserem Reitausflug missgönnt hatte. Es ging also zum Rivière des Remparts und dessen eindrucksvollem Tal mit Felsschluchten von über 1000 Höhenmetern, weiter über den Nez de Bœuf hin Richtung Vulkan. Wir querten eine eindrucksvolle fast unwirkliche Vulkanlandschaft, eine ältere Caldera, die die Plain des Sables, eine wüstenartige Ebene mit feinem Basaltstaub beherbergt, bis wir zum Pas Bellecombe, dem Punkt an dem man den aktiven Krater des Vulkans mit dem Auto am nähesten kommt gelangten. Wie kaum anders zu erwarten, blieb uns das Wetterpech treu und der Nebel verbarg die Krater La Formica, Dolomieu, Bory und die Chapelle de Rosemont, eine Grotte, die aus einer Gasblase entstand.
Inzwischen ist uns klar geworden, dass das ein Zeichen ist: Wir müssen diese wundervolle Insel unbedingt noch einmal besuchen, denn wer auf La Réunion war, ohne den Piton de la Fournaise gesehen zu haben, dem fehlt ein entscheidender Teil des Pflichtprogramms eines jeden Besuches.
Unseren Heliflug konnten wir am 18. nachholen und wurden für unsere Geduld und Hartnäckigkeit belohnt mit hervorragenden Flugbedingungen und einem unvergesslichen Erlebnis, dessen eindrucksvollste Passage auch bei den Filmen zu finden ist. Lediglich der Vulkan blieb konsequent und verbarg sich wie gewohnt unter einer dichten Wolkendecke.

Wir verlassen jetzt Saint Pierre und fahren zur Plaine des Palmistes, einem Ausganspunkt für ausgiebige Wanderungen durch die Waldgebiete des Foret de Belouve und des Foret de Bebourg. Ob wir uns von dort melden können ist noch unklar, spätestens am Montag sollte es aber wieder Neuigkeiten zu vermelden und zu lesen geben. Bis dann!

Monster’s Day, not Valentine’s

Von , 17. Februar 2010 14:58

Irgendwie hatte ich die Schnapsidee, endlich mal wieder ausgiebig reiten zu wollen. Meine letzten größeren Ausritte waren schließlich schon 20 Jahre her -eine Zeit in der ich fast jedes Wochenende zu Pferd das Saarland unsicher gemacht hatte. Caro hatte bisher wie dem ein oder anderen bereits bekannt -vorsichtig formuliert- keine besondere Affinität zu Pferden.
Entsprechend karg fiel die Henkersmahlzeit am frühen Morgen aus -wir waren schon um 6:30 Uhr aufgestanden um rechtzeitig mit unserem Ausritt beginnen zu können, da in der Regenzeit das Wetter am Nachmittag bekanntermaßen ein launischer Gesell sein kann. Nach einer guten Stunde Anfahrt über Le Tampon auf die Plaine des Caffres zu dem idyllisch gelegenen Bergdorf Notre Dame de la Paix, waren wir angekommen.

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Caro und Creole, eine unerwartete Freundschaft

Die Auswahl der Pferde, die die ansässige Reitschule vorgenommen hatte, erwies dem Spruch “wie der Herr so das Gescherr” alle Ehre: Caros Pferd, eine Braune Dame namens “Canele”, war ruhig und durchaus mit einem ausgeprägten eigenen Willen gesegnet, das Meinige, “Creole”, extrovertierter und permanent auf der Suche nach etwas Leckerem zu essen.
Unser Weg führte und vorbei an der Schlucht des Rivière des Remparts mit Aufgrund frühzeitig aufziehendem Nebel wenigen, aber dafür um so spektakuläreren Ausblicken hoch zum Nec du Boef auf 2180m.

Dort angekommen legten wir eine ausgiebige Rast unter einem der dort überall zu findenden Kiosques (im Gegensatz zur deutschen Verwendung des Wortes handelt es sich dabei um unbemannte Picknick-Unterstände) ein. Bis dorthin hatte sich Caro wieder ihr eigenes Erwarten blendend geschlagen und sogar immer wieder kurze Passagen im Trab hinter sich gebracht. Das von der Reitschule organisierte Catering war nach Creole’s Geschmack entschieden zu klein ausgefallen. Während die anderen beiden Pferde nach ein paar Minuten grasen zufrieden waren, fand sich um den Radius der Anbindung Creole’s bald kein grüber Halm mehr und der Wallach streckte interessiert seine Rübe gen Picknickausstattung um uns unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass die beigelegten Äpfel zweifelsohne für ihn gedacht seien. Dem fordernden Blicken des kreolischen Schimmels nicht nachzugeben, verbat sich im Gedanken auf den Rückweg, den wir schließlich auch heil überstehen wollten von selbst. Während unserer Rast war die Wolkensuppe zwischenzeitlich derart dick geworden, dass sie sich nicht mehr in der Luft halten konnte, es regnete nein, es schüttete wie aus Eimern und die Temperatur fiel innerhalb weniger Minuten auf ca. 8° Celsius, was dem sonnenverwöhnten Küstentouristen im kurzen Hemdchen natürlich rund 20 Grad zuwenig war, um als Wohlfühl-Temperatur durchzugehen.
Die erste Regenpause nutzend machten wir uns auf den Rückweg. Leider war sie von so kurzer Dauer und der nachfolgende Wolkenbruch so intensiv, dass wir um das Leben der Kamera und des Handys fürchteten, weil wir trotz mitgenommener Regenbekleidung nass bis auf die Knochen wurden. Nach 6 Stunden Ausritt, Caro das erste Mal überhaupt auf einem Pferd, nass, durchgefroren, mit schmerzendem Hintern und völlig erschöpft kamen wir wieder am Stall an.
Nichts wie ab ins Auto und sofort zur Villa Belle, wo ein vorgeheizter Jacuzzi auf uns wartete.
Der Einstieg in denselben gestaltete sich dank ordentlichem Muskelkater und diverser Hämatome an empfindlichen Stellen nicht ganz einfach. Die Anspannung wich einer restlosen Müdigkeit die dazu führte, dass wir den Abend schlafend im Bett anstatt in dem excellenten französischen Restaurant, welches uns Eric -einer unserer beiden charmanten Gastgeber- so sehr empfohlen hatte verbrachten und dieses nicht mehr bis zum heutigen Morgen verlassen konnten.
Ein ausgezeichnetes Frühstück versöhnte uns wieder mit der Welt und den Monstern, die inzwischen ihre Bedrohlichkeit verloren hatten. Caro schwärmt immer noch von Creole, der auch Chancen auf eine Karriere als Mr. Ed-Double hätte. Heute wird wieder ein ganz gemächlicher Gammeltag, den wir am Vormittag mit einem Einkaufserlebnis im örtlichen Carrefour begannen und der uns nach Abschluss dieser Zeilen direkt zum Pool führen wird, wo uns bereits zwei Cocktails erwarten.

Der Vulkan

Von , 17. Februar 2010 11:34

Der Piton de la Fournaise (deutsch: Glutofen) ist mit seinen gerade mal ca. 360.000 Jahren ein erdgeschichtlicher Jungspund. Er liegt auf einen Hotspot (besonder heißen Stelle im Erdmantel, an der basaltische Schmelze bis in die Erdkruste aufsteigt) und ist ein Schildvulkan (Vulkantyp mit sehr heißer, gasarmer Lava), bei dem Ausbrüche meist ungefährlich verlaufen, weil sie kaum explosionsartig stattfinden, sondern ein kontinuierlicher Abfluss des Magma erfolgt. Seine Caldera besitzt die Form eines zum Meer hin offenen Hufeisens und misst rund 13x8km. Vor 1998 ging es in der jüngeren Zeit am Piton de la Fournaise relativ ruhig zu, seit dem befindet er sich in einer sehr aktiven Phase die bis zu 3 Ausbrüchen im Jahr führt. Der letzte große Ausbruch (größter der letzten 100 Jahre) fand im Jahr 2007 statt. Aus einer Spalte im Grand Brulé die nur 500 Meter über dem Meeresspiegel endete, ergossen sich große Lavamengen ins Meer und vergrößerten La Réunion erfreulicherweise wieder etwas. Die Straße, an der unsere zugehörige Bilderserie entstand musste damals allerdings erst wieder neu gebaut werden. Seit diesem großen Ausbruch ist der Berg wieder etwas ruhiger geworden, zählt aber immer noch zu den aktivsten Vulkanen der Erde.

Das Grand Brulé trägt seinen Namen im übrigen nicht nur der vulkanischen Aktivitäten halber zurecht. Unser zweiter Besuch fand bei vollem Sonnenschein statt, was dazu führte, dass sich der unter meinen Füßen verflüssigte Asphalt beim Vorwärtskommen recht behindernd auswirkte. Wie auf den Photos zu erkennen, dampft die im Untergrund noch immer nicht völlig erkaltete Lava -nein, genauer das Wasser, das durch den kräftigen Wind und den Regen, den die aufsteigende Feuchte verursacht, welches sich dann im lockeren Lavagestein sammelt und dort bis auf Dampftemperaturen erhitzt wird. Die Aussentemperatur im Schatten betrug bei unserem Besuch 39°, was die Berechtigung meiner Forderung nach einer funktionierenden Klimaanlage nochmal ganz besonders rechtfertigte. Ohne diese wären wir vermutlich selbst mit verkocht.
Die Bilder vom 15.2. geben nicht nur die Lavafelder und deren verursachende Ausbrüche wieder, sondern vermitteln einen Eindruck, wie fruchtbar der Boden ist, desen Entstehung so lebensfeindlich beginnt. Die Ostküste bietet einen pflanzlichen Artenreichtum, dass einen die vielen verschiedenen Grüntone fast erschlagen.