La Réunion – unsere Insel

Von , 3. März 2010 10:35

La Réunion ist keine Badeinsel, die große Betonburgen zur Bewältigung von riesigen Touristenströmen bietet und das hat diese Insel gerettet vor den üblichen Bausünden, hemmungsloser Umweltzerstörung und dem Fluch von den großen Reiseanbietern katalogisiert zu werden. Was ein Glück, denn die Schönheit und Vielseitigkeit muss man als Besucher nur mit 300.000 anderen Touristen im Jahr und den 800.000 Inselbewohnern teilen. 1750 km² der 2512 km² wurden 2007 unter Naturschutz gestellt und zu einem Nationalpark erklärt, der in seinem Abwechslungsreichtum unübertroffen ist.

Urwälder und Lavawüsten, schroffe Gebirgslandschaften und sanfte Weidegebiete, palmenbesäumte Korallenstrände und Steilküsten aus mächtigen Basalttürmen, Wasserfälle deren kühles Nass sich in natürlichen Süßwasserbecken sammelt und weite Zuckerrohrfelder, das alles findet sich auf engstem Raum. Daneben ein kulturelles Gemisch dessen Wurzeln aus dem Mutterland Frankreich, Indien, Afrika und China stammen, dessen Angehörige aus ihrer langen gemeinsamen Geschichte auf der Insel spannungsfrei zusammenleben und dabei in gegenseitiger Toleranz ihre jeweiligen Traditionen pflegen. Kulinarisch ist La Réunion ein Erlebnis: in drei Wochen ist es uns ein einziges Mal gelungen schlecht zu Essen und dies auch nur, weil wir uns zu müde und bequem für die besseren Alternativen für eine Pizza entschieden hatten. Sogar der Kaffee zum Frühstück -ein andernorts immerwährendes Risiko- war bis auf einen einmaligen Ausrutscher von bestem Aroma und ein Genuß.
Ja, dort spricht man französich und das unsere war leider reichlich mangelhaft. Dank der guten Empfehlungen von Brigitte Monat hatten wir aber in allen Unterkünften auch englischsprachige Verständigungsmöglichkeiten, sogar der ein oder andere deutsche Ansprechpartner ist -wenn auch selten- zu finden.
Und ja, diese Insel ist nichts für Langschläfer, denn die schönsten Panoramen der Bergwelt verlieren sich gerne am späten Vormittag im Nebel. Aber noch nie fiel uns das früh Aufstehen so leicht wie in diesem Urlaub, denn was immer es zu sehen gibt -und sei es der nächtliche Sternenhimmel- hält einen nicht im Bett.

Diese Insel ist unsere Insel und deshalb planen wir schon heute unsere Wiederkehr für Oktober diesen Jahres zum Whalewatching und Schnorcheln, Canyoning, der Vulkanbesteigung, dem kreolischen Kochkurs und den vielen anderen lohnenswerten Aktivitäten, für die drei Wochen einfach noch viel zu wenig waren.

Ja, wir haben uns verliebt in die Île de la Réunion.

Offline

Von , 24. Februar 2010 19:06

Die letzten Tage werden wir jetzt zwangsweise doch offline sein, alles weitere also am Wochenende nach unserer Rueckkehr.

Bis bald!

Villa Belle und 40 Minuten “Airtime”

Von , 20. Februar 2010 13:45

Ausgehend von unserer 2. längeren Basis, der Villa Belle, einem kleinen Anwesen in Saint Pierre mit einer liebevollen Einrichtung und zwei entzückenden Gastgebern, hatten wir für den 17. ein besonderes Highlight geplant: Einen Helicopter-Rundflug über die Insel. Dieser konnte leider nicht stattfinden, weil die Wetterbedingungen in den drei Talkesseln so schlecht waren, dass der Start abgesagt werden musste.
Wir hatten also einen vollkommen unverplanten Tag vor uns, den wir nutzten, um all die schönen Aussichten nachzuholen, die uns das Wetter schon bei unserem Reitausflug missgönnt hatte. Es ging also zum Rivière des Remparts und dessen eindrucksvollem Tal mit Felsschluchten von über 1000 Höhenmetern, weiter über den Nez de Bœuf hin Richtung Vulkan. Wir querten eine eindrucksvolle fast unwirkliche Vulkanlandschaft, eine ältere Caldera, die die Plain des Sables, eine wüstenartige Ebene mit feinem Basaltstaub beherbergt, bis wir zum Pas Bellecombe, dem Punkt an dem man den aktiven Krater des Vulkans mit dem Auto am nähesten kommt gelangten. Wie kaum anders zu erwarten, blieb uns das Wetterpech treu und der Nebel verbarg die Krater La Formica, Dolomieu, Bory und die Chapelle de Rosemont, eine Grotte, die aus einer Gasblase entstand.
Inzwischen ist uns klar geworden, dass das ein Zeichen ist: Wir müssen diese wundervolle Insel unbedingt noch einmal besuchen, denn wer auf La Réunion war, ohne den Piton de la Fournaise gesehen zu haben, dem fehlt ein entscheidender Teil des Pflichtprogramms eines jeden Besuches.
Unseren Heliflug konnten wir am 18. nachholen und wurden für unsere Geduld und Hartnäckigkeit belohnt mit hervorragenden Flugbedingungen und einem unvergesslichen Erlebnis, dessen eindrucksvollste Passage auch bei den Filmen zu finden ist. Lediglich der Vulkan blieb konsequent und verbarg sich wie gewohnt unter einer dichten Wolkendecke.

Wir verlassen jetzt Saint Pierre und fahren zur Plaine des Palmistes, einem Ausganspunkt für ausgiebige Wanderungen durch die Waldgebiete des Foret de Belouve und des Foret de Bebourg. Ob wir uns von dort melden können ist noch unklar, spätestens am Montag sollte es aber wieder Neuigkeiten zu vermelden und zu lesen geben. Bis dann!

Monster’s Day, not Valentine’s

Von , 17. Februar 2010 14:58

Irgendwie hatte ich die Schnapsidee, endlich mal wieder ausgiebig reiten zu wollen. Meine letzten größeren Ausritte waren schließlich schon 20 Jahre her -eine Zeit in der ich fast jedes Wochenende zu Pferd das Saarland unsicher gemacht hatte. Caro hatte bisher wie dem ein oder anderen bereits bekannt -vorsichtig formuliert- keine besondere Affinität zu Pferden.
Entsprechend karg fiel die Henkersmahlzeit am frühen Morgen aus -wir waren schon um 6:30 Uhr aufgestanden um rechtzeitig mit unserem Ausritt beginnen zu können, da in der Regenzeit das Wetter am Nachmittag bekanntermaßen ein launischer Gesell sein kann. Nach einer guten Stunde Anfahrt über Le Tampon auf die Plaine des Caffres zu dem idyllisch gelegenen Bergdorf Notre Dame de la Paix, waren wir angekommen.

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Caro und Creole, eine unerwartete Freundschaft

Die Auswahl der Pferde, die die ansässige Reitschule vorgenommen hatte, erwies dem Spruch “wie der Herr so das Gescherr” alle Ehre: Caros Pferd, eine Braune Dame namens “Canele”, war ruhig und durchaus mit einem ausgeprägten eigenen Willen gesegnet, das Meinige, “Creole”, extrovertierter und permanent auf der Suche nach etwas Leckerem zu essen.
Unser Weg führte und vorbei an der Schlucht des Rivière des Remparts mit Aufgrund frühzeitig aufziehendem Nebel wenigen, aber dafür um so spektakuläreren Ausblicken hoch zum Nec du Boef auf 2180m.

Dort angekommen legten wir eine ausgiebige Rast unter einem der dort überall zu findenden Kiosques (im Gegensatz zur deutschen Verwendung des Wortes handelt es sich dabei um unbemannte Picknick-Unterstände) ein. Bis dorthin hatte sich Caro wieder ihr eigenes Erwarten blendend geschlagen und sogar immer wieder kurze Passagen im Trab hinter sich gebracht. Das von der Reitschule organisierte Catering war nach Creole’s Geschmack entschieden zu klein ausgefallen. Während die anderen beiden Pferde nach ein paar Minuten grasen zufrieden waren, fand sich um den Radius der Anbindung Creole’s bald kein grüber Halm mehr und der Wallach streckte interessiert seine Rübe gen Picknickausstattung um uns unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass die beigelegten Äpfel zweifelsohne für ihn gedacht seien. Dem fordernden Blicken des kreolischen Schimmels nicht nachzugeben, verbat sich im Gedanken auf den Rückweg, den wir schließlich auch heil überstehen wollten von selbst. Während unserer Rast war die Wolkensuppe zwischenzeitlich derart dick geworden, dass sie sich nicht mehr in der Luft halten konnte, es regnete nein, es schüttete wie aus Eimern und die Temperatur fiel innerhalb weniger Minuten auf ca. 8° Celsius, was dem sonnenverwöhnten Küstentouristen im kurzen Hemdchen natürlich rund 20 Grad zuwenig war, um als Wohlfühl-Temperatur durchzugehen.
Die erste Regenpause nutzend machten wir uns auf den Rückweg. Leider war sie von so kurzer Dauer und der nachfolgende Wolkenbruch so intensiv, dass wir um das Leben der Kamera und des Handys fürchteten, weil wir trotz mitgenommener Regenbekleidung nass bis auf die Knochen wurden. Nach 6 Stunden Ausritt, Caro das erste Mal überhaupt auf einem Pferd, nass, durchgefroren, mit schmerzendem Hintern und völlig erschöpft kamen wir wieder am Stall an.
Nichts wie ab ins Auto und sofort zur Villa Belle, wo ein vorgeheizter Jacuzzi auf uns wartete.
Der Einstieg in denselben gestaltete sich dank ordentlichem Muskelkater und diverser Hämatome an empfindlichen Stellen nicht ganz einfach. Die Anspannung wich einer restlosen Müdigkeit die dazu führte, dass wir den Abend schlafend im Bett anstatt in dem excellenten französischen Restaurant, welches uns Eric -einer unserer beiden charmanten Gastgeber- so sehr empfohlen hatte verbrachten und dieses nicht mehr bis zum heutigen Morgen verlassen konnten.
Ein ausgezeichnetes Frühstück versöhnte uns wieder mit der Welt und den Monstern, die inzwischen ihre Bedrohlichkeit verloren hatten. Caro schwärmt immer noch von Creole, der auch Chancen auf eine Karriere als Mr. Ed-Double hätte. Heute wird wieder ein ganz gemächlicher Gammeltag, den wir am Vormittag mit einem Einkaufserlebnis im örtlichen Carrefour begannen und der uns nach Abschluss dieser Zeilen direkt zum Pool führen wird, wo uns bereits zwei Cocktails erwarten.

Der Vulkan

Von , 17. Februar 2010 11:34

Der Piton de la Fournaise (deutsch: Glutofen) ist mit seinen gerade mal ca. 360.000 Jahren ein erdgeschichtlicher Jungspund. Er liegt auf einen Hotspot (besonder heißen Stelle im Erdmantel, an der basaltische Schmelze bis in die Erdkruste aufsteigt) und ist ein Schildvulkan (Vulkantyp mit sehr heißer, gasarmer Lava), bei dem Ausbrüche meist ungefährlich verlaufen, weil sie kaum explosionsartig stattfinden, sondern ein kontinuierlicher Abfluss des Magma erfolgt. Seine Caldera besitzt die Form eines zum Meer hin offenen Hufeisens und misst rund 13x8km. Vor 1998 ging es in der jüngeren Zeit am Piton de la Fournaise relativ ruhig zu, seit dem befindet er sich in einer sehr aktiven Phase die bis zu 3 Ausbrüchen im Jahr führt. Der letzte große Ausbruch (größter der letzten 100 Jahre) fand im Jahr 2007 statt. Aus einer Spalte im Grand Brulé die nur 500 Meter über dem Meeresspiegel endete, ergossen sich große Lavamengen ins Meer und vergrößerten La Réunion erfreulicherweise wieder etwas. Die Straße, an der unsere zugehörige Bilderserie entstand musste damals allerdings erst wieder neu gebaut werden. Seit diesem großen Ausbruch ist der Berg wieder etwas ruhiger geworden, zählt aber immer noch zu den aktivsten Vulkanen der Erde.

Das Grand Brulé trägt seinen Namen im übrigen nicht nur der vulkanischen Aktivitäten halber zurecht. Unser zweiter Besuch fand bei vollem Sonnenschein statt, was dazu führte, dass sich der unter meinen Füßen verflüssigte Asphalt beim Vorwärtskommen recht behindernd auswirkte. Wie auf den Photos zu erkennen, dampft die im Untergrund noch immer nicht völlig erkaltete Lava -nein, genauer das Wasser, das durch den kräftigen Wind und den Regen, den die aufsteigende Feuchte verursacht, welches sich dann im lockeren Lavagestein sammelt und dort bis auf Dampftemperaturen erhitzt wird. Die Aussentemperatur im Schatten betrug bei unserem Besuch 39°, was die Berechtigung meiner Forderung nach einer funktionierenden Klimaanlage nochmal ganz besonders rechtfertigte. Ohne diese wären wir vermutlich selbst mit verkocht.
Die Bilder vom 15.2. geben nicht nur die Lavafelder und deren verursachende Ausbrüche wieder, sondern vermitteln einen Eindruck, wie fruchtbar der Boden ist, desen Entstehung so lebensfeindlich beginnt. Die Ostküste bietet einen pflanzlichen Artenreichtum, dass einen die vielen verschiedenen Grüntone fast erschlagen.

Postkartenidylle und Mikroklimata

Von , 14. Februar 2010 14:16

IMG 04621-300x225 in Unsere heutige Tour führte uns -ganz ohne an die Arbeit zu denken- auf den “Roche Merveilleuse”, eine Felsformation oberhalb des Ortes Cilaos, von wo aus man einen herrlichen Blick über den gesamten Talkessel hat. Die umgebenden Cryptomérias-Wälder erinnern oberflächlich betrachtet etwas an den Schwarzwald mit seinen dunklen Tannen. Der genauere Blick zeigt, dass viele der Bäume dicht mit Bartflechten bewachsen sind, was aus dem ausgesprochen feuchten Klima resultiert. Ab ca. 11:00 Uhr sollte man -ist man Wasserscheu- seine Aktivitäten in geschlossene Räume verlegen, denn regelmäßig regnen sich die feuchten Luftmassen, die von den Monsunwinden aus dem Westen auf die Insel getrieben werden um die Mittagszeit ab und schaffen hier ein Mikroklima, in dem die Bartflechte gut gedeiht und die Fauna aus Kröten und Insekten durch die Feuchtigkeit begünstigt werden. Arachnophobiker seien gewarnt: allerorten finden sich hier auch bis zu handtellergroße Seidenspinnen, die mit ihren Netzen Beute machen.

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Bartflechten

Diese besondere Klimazone im Cirque de Cilaos ist allerdings nur eine von über hundert verschiedenen, die auf der Insel zu finden sind. Dementsprechend gibt es neben Regen- und Nebelwäldern auch ein Tal, das Pleine des Sables genannt wird und das seinem Namen als Sandwüste alle Ehre macht. Wenn die Zeit es ermöglicht werden wir auch diese sehen, während wir im Laufe der Woche die Route Forrestière Richtung Piton de Fournais auf bis 2.400m Höhe erkunden und rund um den Kraterbereich wandern.

Nachtrag:
Nachdem heute Nachmittag nach dem Regen nochmal ein längerer Abschnitt guten Wetters folgte, haben wir uns nochmal auf die Piste gewagt. Ein kleiner Ausflug nach Ilet à Cordes, auf dessen Rückweg das folgende “Roadmovie” entstand.

Ab in die Berge

Von , 14. Februar 2010 07:35

Addiert Stilfserjoch, Timmelsjoch, Julier- und Lukmanierpass, subtrahiert deren gerade Abschnitte und dividiert die Straßenbreite durch zwei, dann habt ihr in etwa die Anfahrt in den Cirque de Cilaos (400 Kurven auf 30 km). Das macht zwar richtig Laune zu fahren, aber das erste Mal ist mir Übel geworden, obwohl ich selbst gefahren bin und auch Caros Teint verfärbte sich in einen zarten Grünton. Unser Hotel ist ein hübsches Haus im kreolischen Stil mitten in einem Touristenbergdorf wie man es ähnlich auch in den Alpen finden kann: typische Devotionalien eingeschlossen.

Ein Rundgang durch den Ort, ein kreolisches Abendessen -reichhaltig und gut wie das Essen auf der Insel offensichtlich nahezu überall zu sein scheint- und unser erster Bergtag neigte sich schon seinem Ende entgegen. Angenehme Kühle (22° C) lässt einen leicht frösteln und verheißt einen guten Schlaf in dieser Gebirgsidylle.

Flexible Taktik bei allen Wetterlagen

Von , 13. Februar 2010 00:36

Zunächst hatten wir ja eine Bootstour mit Schnorchelevent geplant, Petrus Planung war offenkundig anders. Morgens, wo es üblicherweise auch in der Regenzeit klares und hier in Boucan Canot reichlich sonniges Wetter gibt, regnete es leicht schon bevor wir uns zum Frühstücksbuffet bewegen konnten. Kein Problem, der Regen fand noch vor dem Frühstück sein Ende, aber es war weiter bewölkt und wir mussten davon ausgehen, nicht die optimalen Lichtverhältnisse für eine erfolgreiche Bilderjagd unter Wasser vorzufinden. So disponierten wir kurzerhand um und entschlossen uns, die sonnenfreie und damit auch temperaturmäßig erträglichere Zeit zu nutzen um einen Ausflug zum Grande Brulet, den Lavafeldern des La Fournaise zu machen, denn in der grellen Sonnenhitze wäre ein Spaziergang auf noch nicht vollständig erkalteter Lava vermutlich zu unserem persönlichen “Grand Brulet” geworden.
Es ging also flugs ins Auto und ab gen Süden Richtung Saint Pierre, dem idealen Ausgangspunkt sowohl für die Fahrt in die Berge als auch für einen Besuch jener Zone der Insel, die der Vulkan für sich beansprucht.

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36° und es wir immer heißer - im Stau

Unsere Fahrt endete geschuldet diverser Brückenbauarbeiten jäh vor Saint Louis, dem Ort, an dessen gegenüberliegender Uferseite Saint Pierre liegt in einem der berüchtigten Staus der Insel.
Nach etwa eineinhalb Stunden im Stau bei gemessenen 35° Aussentemperatur und geschätzten 38° Innentemperatur und Aussen wie Innen ca 95% Luftfeuchtigkeit, wurde uns schmerzlich bewusst, dass nicht nur unsere Klimaanlage im Auto reine Attrappe war, sondern dass man auch im sicheren Auto immer eine gefüllte Flasche Wasser mitführen sollte.
Mit gestiegenem Adrenalinspiegel setzte ich mich gegen meinen Schatz mindestens in der Beziehung durch, dass wir die nächste Wendemöglichkeit nutzen um den Autovermieter in Saint Denis am anderen Ende der Insel aufzusuchen um das Auto zurückzugeben und -wie gebucht- gegen eines mit funktionsfähiger Klimaanlage zu tauschen. Vor weiteren Konsequenzen bewahrte ihn nur gutes Zureden meines Herzblattes -auf diesem Weg nochmals danke, denn Totschlag wird schließlich auch auf Reunion wie in Frankreich bestraft.
Ja, es geht: es gibt auch hier und sogar beim Autovermieter unseres Mißtrauens Fahrzeuge die tatsächlich klimatisiert sind -mon dieux, warum nicht gleich so. Jetzt waren wir aber schon mal in Saint Denis und die Nordseite der Insel war gedanklich zwar eingeplant, aber noch nicht terminiert. Was lag näher, als die gute Gelegenheit zu nutzen mit einem vollklimatisierten Kfz dieselbe zu bereisen, zumal wir wussten, dass die Fahrt gegen den Urzeigersinn irgend wann unweigerlich wieder im Stau münden würde.
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Üppige Vegetation am Anse des Cascades

Wir fanden einen weniger touristisch erschlossenen Teil des Eilandes vor mit einer derart üppigen Vegetation, dass einem die vielfältigen Grüntöne und die unterschiedlichen Arten schier die Sprache verschlugen -Tropenfauna at it’s best.
Zügig ging es durch die Landschaft deren Abwechslungsreichtum einfach fasziniert.
Eine Pause an der Nordspitze von La Réunion, dem Anse des Cascades mit seinen unzähligen Wasserfällen, die mitten aus der senkrecht abfallenden Wand hervortraten schon voll aus dem Basaltgestein früherer Vulkanausbrüche bestehend läutete den auch erdgeschichtlich jüngsten Teil unserer Inselrundreise ein.
Besonders beeindruckend war dabei wie schnell die Flora sich die Lavafelder als neuen Lebensraum erobert. Während jenes vom großen Ausbruch 2007 meist noch spärlich von Pionierpflanzen besiedelt war, fand sich auf einem Abschnitt der im Jahr 1998 entstand -also gerade mal 12 Jahre alt war- ein undurchdringlicher Dschungel unterschiedlichster Pflanzenarten (weitere Eindrücke finden sich in der Bildergalerie des heutigen Tages).
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Lavafeld des großen Ausbruchs 2007

Der spannendste Teil entstammt offensichtlich einem kleineren Ausbruch im Januar diesen Jahres und dampfte unter dem wieder einsetzenden Regen so heftig, dass ich mich mit einem kurzen Griff auf den Asphalt der Straßendecke versicherte, dass uns am parkenden Auto nicht die Reifen dahinschmelzen würden. Ein Stück angelaufener Alufolie, die glatt auf dem Boden ausgebreitet war zeugte davon, dass dort vor kurzem auch noch die Zubereitung warmer Speisen möglich war. Leider hat uns da der Akku der Kamera im Stich gelassen, aber wir werden im Laufe der nächsten Woche sicher nochmal Gelegenheit finden diesen spannenden Ort fotografisch genauer zu dokumentieren.

Alles in allem ein Tag der begann wie der Urlaub insgesamt: einfach miserabel, aber mit einem derartigen Entwicklungspotenzial, dass man am Schluss nur begeistert und nach einem gewohnt reichhaltigen Abendessen erschöpft von den vielen tollen Eindrücken ins Bett sinken kann, was ich jetzt auch tun werde, denn dort werde ich bereits erwartet. Bon Nuit!

Amuse Bouche

Von , 11. Februar 2010 22:54

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Abendstimmung in der Strandbar

Hilfe, wir werden hier auf eine ganz charmante Art für die Schlachtung gemästet: amuse bouche, der Gaumenkitzler. Wir bestellen ein einfaches Essen, weil die Portionen schon gar kein ganzes Menü zulassen und die excellente Küche überrascht jedesmal mit neuen Leckereien, so dass aus dem simplen Abendessen -na gut, Jakobsmuscheln kocht mein Schatz auch nicht alle Tage- doch noch ein vier Gänge Menu mit Vorspeise, Hauptgericht und zweimal Nachtisch wird. Die armen Pferde, die unsere gemästeten Körper nächsten Dienstag tragen sollen sind ernsthaft nicht zu beneiden.

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Sunset at the beach

Wir hatten es die letzten Tage wie geplant geruhsam, um erst einmal ein wenig runterzukommen. Morgen geht es mit dem Motorkatamaran auf’s Meer hinaus zum Schnorcheln, weil hier in der Bucht die Unterwasserwelt nicht ganz so reichhaltig ist und das war es dann mit Boucan Canot: Sonne Strand und jeden Tag heillose Schlemmergelage, diese Faulenzerhei hat Samstag ihr Ende, denn dann endet dieser Abschnitt der Reise und wir ziehen für das Wochenende in die Berge um. Im Cirque de Cilaos, einem der drei Talkessel der Insel, aus dem das erstklassige Mineralwasser stammt, das auch als Brauwasser für das erfolgreich getestete Bier Bourbon dient und der eingerahmt wird von den zwei höchsten Gipfeln der Insel -dem Piton du Neiges und dem Grande Bernard, beide um 3.000 m hoch findet sich unser neues Zuhause. Von dort aus werden wir -so gut es das erhöhte Körpergewicht noch zulässt- wandernd die neue Umgebung erkunden.

Die Anreise oder auch das Air France Inferno

Von , 6. Februar 2010 19:43

Af Retarde1-300x184 in Dante’s göttliche Kommödie stand für unsere Erfahrungen mit der Air France Pate: Es fehlte nur noch das Schild über der Gangway, das uns verkündet hätte: Lasst, die ihr eintretet, alle Hoffnung fahren!
Aber der Reihe nach: Im vollen Reisefieber ging es mit dem Auto zum Euro-Airport in Basel. Viel zu früh dort angekommen, erwartete uns die nebenstehende Anzeigetafel, die uns in den ersten Schrecken versetzte, mussten wir doch zunächst fürchten, unseren Anschlußflug nach La Réunion zu verpassen und einen unfreiwilligen Aufenthalt in Paris einlegen. Zwei Stunden Zeit auf dem Euroairport totzuschlagen ist in etwa so reizvoll wie eine vollständige Sammlung Heintje-CD’s am Stück zu hören. Soweit so gut. Wir konnten boarden und eh wir uns versahen, war der Vogel in der Luft. Vom langen Warten hungrig geworden, servierte man uns Wasser und Snacks nach undefinierbarer Rezeptur -vermutlich eine Mischung aus Pappmache und Tapetenkleister, aufgepeppt mit Aromastoffen des nächsten Chemieriesen.
Die Spannung, den Anschluss noch zu erreichen hielt uns die knappe Stunde bis Paris Orly in Atem und als echte Glückskinder können wir vermelden: Auch die Maschine in Orly hatte eine Stunde Verspätung, weil unser Slot für den Start dank des uns bis dahin unbekannten Monsieur Lopez, der zu spät eintrudelte, verfallen war.
Wir hatten also das zweifelhafte Vergnügen, in diesem reichlich heißen Vorhof der Hölle -operated by Air France- nochmal eine zusätzliche Stunde zu verbringen.
Nicht ganz unerfahren in Langstreckenflügen waren wir ja beide, wenn auch noch im vergangenen Jahrtausend. Was Air France allerdings mit seinen Kunden treibt, ist aber beinahe unbeschreiblich. Sitze, deren Polsterung auch noch aus dem vergangenen Millenium stammten, so dass man mit dem Allerwertesten die Federn zählen konnte im 17-Zoll-Raster -was ich bis dato lediglich als Größe für einen kleinen Bildschirm kannte- und einem Service unter aller Würde: ausser dem obligatorischen Chicken-Meal gab es einen französischen Rotwein, dessen Herstellungsverfahren vermutlich dem Reinigungsgewerbe entlehnt war, das durch heftiges Auswringen von gebrauchten Putzlappen eine sicher ähnlich würzige Brühe produzieren kann und einen “Punsch” dem ich jedes Kölnisch Wasser getrost vorziehen würde -kurzum völlig ungenießbar.
Zu unserer eigenen Sicherheit sind wir ja veranlasst keine Getränke -oder eben maximal 100ml, was einen Durstigen nicht rettet- in den Flieger mitzunehmen. Unter diesen Umständen ist es schon als infernalisch zu bezeichnen innerhalb von 11 Stunden neben dem beschriebenen “Abendmahl” und einem kulinarisch ebenso reizvollen Frühstück keinerlei Service angeboten zu bekommen. Selbst ist der Mann: ich fand die Küche auch ohne Saftschubse und labte mich am Evian -nicht ohne meinen Schatz mitzuversorgen- wie sich von selbst versteht.
Unsere Stimmung erhellte sich mit dem beginnenden Tag, der uns herrliche Wolkenformationen zeigte. Inferno Af-300x189 in
Nach allen Unbilden erreichten wir das Ziel unserer Träume, holten den bereits reservierten Mietwagen am Airport ab und fuhren in unser Hotel wo uns endlich das ersehnte Kontrastprogramm zur Air-France-Hölle erwartete. Die Brandung des indischen Ozeans in den Ohren, der auf den 20 m breiten Sandstrand traf schlürften wir genussvoll unseren Begrüßungscocktail uns wussten: dies war der Beginn eines wundervollen Urlaubs.