Monster’s Day, not Valentine’s

Von , 17. Februar 2010 14:58

Irgendwie hatte ich die Schnapsidee, endlich mal wieder ausgiebig reiten zu wollen. Meine letzten größeren Ausritte waren schließlich schon 20 Jahre her -eine Zeit in der ich fast jedes Wochenende zu Pferd das Saarland unsicher gemacht hatte. Caro hatte bisher wie dem ein oder anderen bereits bekannt -vorsichtig formuliert- keine besondere Affinität zu Pferden.
Entsprechend karg fiel die Henkersmahlzeit am frühen Morgen aus -wir waren schon um 6:30 Uhr aufgestanden um rechtzeitig mit unserem Ausritt beginnen zu können, da in der Regenzeit das Wetter am Nachmittag bekanntermaßen ein launischer Gesell sein kann. Nach einer guten Stunde Anfahrt über Le Tampon auf die Plaine des Caffres zu dem idyllisch gelegenen Bergdorf Notre Dame de la Paix, waren wir angekommen.

IMG 0648-300x225 in Monsters Day, not Valentines

Caro und Creole, eine unerwartete Freundschaft

Die Auswahl der Pferde, die die ansässige Reitschule vorgenommen hatte, erwies dem Spruch “wie der Herr so das Gescherr” alle Ehre: Caros Pferd, eine Braune Dame namens “Canele”, war ruhig und durchaus mit einem ausgeprägten eigenen Willen gesegnet, das Meinige, “Creole”, extrovertierter und permanent auf der Suche nach etwas Leckerem zu essen.
Unser Weg führte und vorbei an der Schlucht des Rivière des Remparts mit Aufgrund frühzeitig aufziehendem Nebel wenigen, aber dafür um so spektakuläreren Ausblicken hoch zum Nec du Boef auf 2180m.

Dort angekommen legten wir eine ausgiebige Rast unter einem der dort überall zu findenden Kiosques (im Gegensatz zur deutschen Verwendung des Wortes handelt es sich dabei um unbemannte Picknick-Unterstände) ein. Bis dorthin hatte sich Caro wieder ihr eigenes Erwarten blendend geschlagen und sogar immer wieder kurze Passagen im Trab hinter sich gebracht. Das von der Reitschule organisierte Catering war nach Creole’s Geschmack entschieden zu klein ausgefallen. Während die anderen beiden Pferde nach ein paar Minuten grasen zufrieden waren, fand sich um den Radius der Anbindung Creole’s bald kein grüber Halm mehr und der Wallach streckte interessiert seine Rübe gen Picknickausstattung um uns unmissverständlich darauf hinzuweisen, dass die beigelegten Äpfel zweifelsohne für ihn gedacht seien. Dem fordernden Blicken des kreolischen Schimmels nicht nachzugeben, verbat sich im Gedanken auf den Rückweg, den wir schließlich auch heil überstehen wollten von selbst. Während unserer Rast war die Wolkensuppe zwischenzeitlich derart dick geworden, dass sie sich nicht mehr in der Luft halten konnte, es regnete nein, es schüttete wie aus Eimern und die Temperatur fiel innerhalb weniger Minuten auf ca. 8° Celsius, was dem sonnenverwöhnten Küstentouristen im kurzen Hemdchen natürlich rund 20 Grad zuwenig war, um als Wohlfühl-Temperatur durchzugehen.
Die erste Regenpause nutzend machten wir uns auf den Rückweg. Leider war sie von so kurzer Dauer und der nachfolgende Wolkenbruch so intensiv, dass wir um das Leben der Kamera und des Handys fürchteten, weil wir trotz mitgenommener Regenbekleidung nass bis auf die Knochen wurden. Nach 6 Stunden Ausritt, Caro das erste Mal überhaupt auf einem Pferd, nass, durchgefroren, mit schmerzendem Hintern und völlig erschöpft kamen wir wieder am Stall an.
Nichts wie ab ins Auto und sofort zur Villa Belle, wo ein vorgeheizter Jacuzzi auf uns wartete.
Der Einstieg in denselben gestaltete sich dank ordentlichem Muskelkater und diverser Hämatome an empfindlichen Stellen nicht ganz einfach. Die Anspannung wich einer restlosen Müdigkeit die dazu führte, dass wir den Abend schlafend im Bett anstatt in dem excellenten französischen Restaurant, welches uns Eric -einer unserer beiden charmanten Gastgeber- so sehr empfohlen hatte verbrachten und dieses nicht mehr bis zum heutigen Morgen verlassen konnten.
Ein ausgezeichnetes Frühstück versöhnte uns wieder mit der Welt und den Monstern, die inzwischen ihre Bedrohlichkeit verloren hatten. Caro schwärmt immer noch von Creole, der auch Chancen auf eine Karriere als Mr. Ed-Double hätte. Heute wird wieder ein ganz gemächlicher Gammeltag, den wir am Vormittag mit einem Einkaufserlebnis im örtlichen Carrefour begannen und der uns nach Abschluss dieser Zeilen direkt zum Pool führen wird, wo uns bereits zwei Cocktails erwarten.

Eine Antwort für “Monster’s Day, not Valentine’s”

  1. Gabi Stadler sagt:

    Dein Herzblatt scheint ja richtig Mut zu haben. Erstens weil sie überhaupt zum ersten Mal auf einem Pferd saß, und dazu noch dieser Ausritt ! Zum zweiten, weil sie mit einem Begleiter unterwegs ist, der um das Leben seines Handys und der Kamera bangt, während sie sich tropfnass auf dem Rücken des Pferdes verzweifelt festhält :-D
    ( muss immer so lachen hier)

Antwort hinterlassen